Sommertheater gefährdet

Von: Baeumler.Agentur@t-online.de
Am: 12.07.2002  17:08:46

Zunehmend haben sich die Mimen der Theaterruine St. Pauli im Hechtviertel einen Platz in der Dresdner Sommer-Theaterszene erspielt. Fünfzehn Inszenierungen und zehn Konzerte an 100 Spieltagen stehen in dieser Saison auf dem Programm. Das reizvolle der Bühne ist die Offenheit der Ruine, das Spiel unter freiem Himmel mit Fackelschein – wenn es nicht regnet. Doch schon im letzten Jahr mussten die hohen Spitzfenster der Apsis vernagelt werden, denn zugezogene Anwohner hatten sich über den herausdringenden Theaterlärm beschwert. Messungen des Umweltamtes haben ergeben, dass die strengen Schallschutzgrenzen für Wohngebiete ab 20 Uhr an einigen Spielabenden überschritten worden waren. Für dieses Jahr wurde das Spielen mit erheblichen Auflagen belegt, unter Androhung der Schließung bei Zuwiderhandlung: Spielende ist nun für viele Veranstaltungen um 21 Uhr. Anderorts beginnen Sommernachtsspiele erst zu dieser Zeit. Und Biergartenlärm ist in Dresden bis 22 Uhr grundsätzlich gestattet.

Als Ausweg vor dem drohenden Ende des schönen Spielens wird nun der Ausbau der Ruine zu einem überdachten Theater vom Betreiberverein geplant. Das fehlende Wandteil und die hohlen Fenster würden mit Glas geschlossen. Ein gläsernes Giebeldach soll darüber kommen, zur Hälfte verschiebbar - zum Öffnen bei gutem Wetter und leisen Stücken. Zu diesen Schallschutzbauten käme noch ein kleiner seitlicher Anbau hinzu. Er soll die dringend erforderlichen Garderoben und Toiletten bieten. Der Ausbau der Turmetagen für noch unbestimmte Nutzung und eine Aussichtsplattform sollen später folgen. Für alle Ausbauten schätzt die Stadtplanung Kosten von 1,3 Millionen Euro. Deren Finanzierung könnte aus bereitstehenden Mitteln der Städtebauförderung für das Sanierungsgebiet Hechtviertel erfolgen.

Der Verein Theaterruine St. Pauli e.V. ist bereit, in die Erbpacht für das Ruinenobjekt einzutreten und verhandelt bereits mit der Kirche, die Eigentümerin ist. Der Bauantrag für die erste Phase der Schallabdichtung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Denn ohne ihn besteht die Gefahr, dass der nur geduldete Spielbetrieb von den Ämtern Umwelt und Ordnung fürs nächste Jahr nicht mehr genehmigt wird – auch nicht bis frühe 21 Uhr.

Dach drauf und Ruhe? Was halten denn die Besucher von der Aussicht, in St. Pauli unterm Glasdach zu sitzen?





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