Die Woba und ihr Libeskind: Planungen auf der Hauptstraße

Von: Redaktion
Am: 25.03.2002  14:28:20

Auch auf der Ortsbeiratssitzung Neustadt am 20. März war der Libeskind-Bau Thema, stand jedoch nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass es von Seiten der anwesenden Woba-Mitarbeiter keine neuen Informationen bezüglich dieses Bauwerks mit Ecken und Kanten gegeben hat. Auch das Bürgerinteresse hielt sich im Vergleich zur Podiumsdiskussion im Rathaus in Grenzen: Es gab durchaus noch freie Plätze im nicht sehr geräumigen Zuhörerbereich des Veranstaltungssaales im Ortsamt. Eine generelle Ablehnung des Gebäudes im Ortsbeirat war nicht festzustellen, wenn er auch von einzelnen Diskussionsteilnehmern als „architektonisch bedenklich“ bezeichnet und die Befürchtung geäußert wurde, die Hauptstraße verkomme zum „Museum der Baustile“, mit für nachfolgende Generationen unverständlichem Konzept. Schließlich wurde noch die geplante Nutzung des Gebäudes selbst hinterfragt, denn unter dem Schlagwort „Kulturkaufhaus“ kann man sich ja nur bedingt etwas vorstellen... Baubeginn soll übrigens nach Vorstellungen der Woba im Jahr 2004 sein.

Der Tagesordnungspunkt 1 der Sitzung hatte aber nicht nur den Libeskind-Bau, sondern die gesamten Bauvorhaben der Wohnbau NordWest auf der Hauptstraße zum Thema. Diese ist Eigentümerin eines Großteils der dort vorhandenen Bausubstanz. Derzeit werden die Gebäude Nr. 9 – 19 (u.a. das Kügelgenhaus) saniert und ein Neubau (Nr.11) eingefügt, um eine geschlossene barocke Bebauung zu erreichen. Nach der Fertigstellung Ende August erwartet den Besucher dort eine Handwerkerpassage, in der sich vor allem sächsisches Handwerk präsentieren soll. Spektakulärer muten jedoch andere Bauvorhaben an, die dem Libeskind-Bau fast schon Konkurrenz machen könnten: Das Gebäude Hauptstraße 1 am Goldenden Reiter, in dessen Keller sich auch den „Silberstollen“ befindet, soll abgerissen werden und an seiner Stelle eine Stahlkonstruktion mit Glasfassade zur gastronomischen Nutzung entstehen. Beispielsweise sollen die Gäste von einer sogenannten „Sky Bar“ aus den Canaletto-Blick über die Elbe genießen können. Was wohl August zu Pferde davon halten mag... Futuristisch mutet auch die Planung der Woba an, in der Metzer Straße, vis-a-vis der Markthalle, ein vollautomatisches Parkhaus zu errichten. Dort, wo heute noch eine behindertengerechte Toilette steht, sollen Besucher der Markthalle und auch Anwohner ihr Vehikel einem Liftsystem anvertrauen, dass das Fahrzeug automatisch im „Regal“ verstaut und auf Wunsch (hoffentlich) auch wieder „ausspuckt“. Der Vorteil dieses Systems besteht darin, dass sich Lärm und Abgase auf dieses Weise minimieren lassen, denn ein herkömmliches Parkhaus wäre für die Bewohner der unmittelbar daneben befindlichen Plattenbauten nicht zumutbar. Ungelöst scheint dagegen das Problem des Markthalleneinkäufers, der keine Möglichkeit hat, sein Auto im Parkhaus zu beladen – dieses darf nämlich nicht betreten werden..! Außerdem hat die Woba für ein derartiges Parkhaus, das schon seit einigen Jahren in Planung ist, bisher keinen Betreiber finden können. Überhaupt, so wurde in der Ortsbeiratssitzung festgestellt, sei das Stellplatzproblem rund um Haupt- und Königstraße ungelöst. Es gebe z.B. kein Parkraumbewirtschaftungskonzept. Die Wohnbau NordWest betonte, dass diese Aufgabe ihre Möglichkeiten aber übersteigen würde.
Timo Rückert





Zugehörige Beiträge:

Die Woba und ihr Libeskind: Planungen auf der Hauptstraße
    sky bar   (02.06.02)