Gudrun Steffens, Duisburg

Von: siegfried.bannack@web.de
Am: 12.02.2002  15:25:07

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 hatten wir Bahnhofsdienst auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Dazu wurden wir diesmal von der Schule eingesetzt. Wir waren etwa 20 Mädchen aus unserer Klasse. Ich möchte hier nicht alles erzählen, was wir bei diesem Einsatz erlebten, nur so viel, daß einige wichtige, vielleicht nur kleine, fast unbeachtete Faktoren mich am nächsten Tag gegen 16 Uhr wieder gesund zu Hause ankommen ließen. Jedenfalls war ich mit einem anderen Mädchen etwa 19 Uhr auf einem der Bahnsteige eingesetzt, um älteren Menschen mit ihrem Gepäck in den Zug zu helfen. Der Bahnsteig war so voller Menschen daß, als der Zug einfuhr und die Menschen zurücktreten mußten, die Hintenstehenden auf die Gleise des rückwärtigen Bahnsteiges stürzten.

Ich half einer älteren Frau in den Zug und mußte dabei, um ihr einen Platz zu sichern und um ihre Koffer in den Zug zu bekommen, durch ein Abteilfenster klettern. Als ich glücklich wieder heraus war, verließ ich mit dem anderen Mädchen den Bahnhof, um erst einmal etwas zu Abend zu essen. Entgegen unserer Absicht, meine Großmutter auf der Comeniusstraße aufzusuchen, begaben wir uns in die Südvorstadt zu Familienangehörigen meiner Klassenkameradin. Schon in Höhe der Russischen Kirche erfolgte Voralarm. Noch bevor wir das Wohnhaus erreichten, fielen die ersten Bomben. In dem Haus, das wir aufsuchten, waren alle Fenster zerborsten, andere Häuser standen in Flammen. Bis zum 2. Angriff, der nach Mitternacht erfolgte, halfen wir bei der Beseitigung der Glasscherben. Bei diesem 2. Angriff wurde das Dach des Hauses schwer beschädigt und ich war mit anderen Hausbewohnern damit beschäftigt, die Brandgefahr durch den Funkenflug zu bekämpfen. Von dort oben aus sah ich die ganze Stadt in Flammen stehen.

Nun wollten wir auf jeden Fall so schnell wie möglich zu meiner Familie nach Klotzsche gelangen. Wir versuchten es im Verlaufe des Morgens über die Reichsstraße, die vollkommen mit Trümmern verschüttet war. In der Mitte stand noch ein brennender Straßenbahnzug. Entgegenkommende verwundete Soldaten, die sich über die Trümmerberge schleppten, rieten uns dringend von unserem Vorhaben ab. Deshalb schlugen wir uns in Richtung Großer Garten durch, gelangten über die Lennèstraße zur Comeniusstraße, wo wir meine Großmutter lebend antrafen. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter in Richtung Schillerplatz, wo wir über die Loschwitzer Brücke (Blaues Wunder) auf die Neustädter Seite gelangten. Die Schillerstraße ging es hoch, und an der Mordgrundbrücke gelangten wir endlich in den rettenden Wald der Dresdner Heide. Dort schlugen wir den Weg über die Heidemühle nach Klotzsche ein, wo wir gegen 16 Uhr erschöpft, aber gesund ankamen."





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