Wehrmachtsoffizier, Weixdorf

Von: siegfried.bannack@web.de
Am: 12.02.2002  15:14:29

Ein ehemaliger Offizier der Deutschen Wehrmacht berichtet:
"Am Abend des 13. Februar 1945 sitze ich mit meinen Eltern in der Wohnstube in Weixdorf am Nordrand der Stadt. Wir hatten von dort aus keinen unmittelbaren Einblick in den Dresdner Talkessel. Gegen 21 Uhr 45 sahen wir, wie über Dresden der Himmel taghell erleuchtet wurde. Es fielen die berühmten Leuchtbomben, die Christbäume also, die wir am Himmel hängen sahen. Und bald darauf hörten wir aus Dresden heraus eine dichte Folge dumpfer Explosionen, im weiteren Verlauf ein laufendes Dröhnen von den Explosionen fallender Bomben. Bald darauf war der Himmel erleuchtet vom Widerschein der Feuer, die inzwischen ausgebrochen waren.

Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Fahrrad in die Stadt. Die Straßenbahnen fuhren nicht mehr und ich versuchte so weit wie möglich vorzudringen, um eine Abfahrtmöglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Dresden heraus festzustellen, denn ich mußte im Verfolg meines dienstlichen Auftrages zur Heeresnebenstelle in Freilassing, um dort Geschütze und Maschinengewehre zu übernehmen.

Als ich die Königsbrücker Straße den Berg hinunter stadteinwärts radelte, kamen mir schon am Industriegelände Scharen verstört aussehender Menschen entgegen, zum Teil rußgeschwärzt. Sie zogen Handwagen mit dem, was sie gerade noch gerettet hatten, zum Teil Kinder darin. Sie zogen ins Land hinaus. Ich kam nicht weiter als bis zum Bischofsweg, das heißt also, bis an den Rand des Stadtkernes der Neustadt, bog nach rechts aus und kam zum Neustädter Bahnhof, der mir als Fahrschüler aus den Jahren 1932/33 sehr gut bekannt war. Ich lehnte mein Rad an eine Mauer, stieg auf den Bahnsteig und ging auf den Gleisen in Richtung Hauptbahnhof.

Nur dem Umstand, daß diese dort liegenden Gleise, etwa 15 bis 20 Parallelgleise, eine breite Luftschneise bildeten, in der es sich noch halbwegs atmen ließ, konnte ich mit vorgehaltenem Taschentuch die lästigen Rauchschwaden überwinden und kam über die Eisenbahnbrücke, über die Elbe also, und stand dann nach weiteren rund 10 Minuten vor den Trümmern des Hauptbahnhofgebäudes. Hier sah es besonders wüst aus. Auf dem Hauptbahnhofvorplatz, Wiener Platz genannt, lagen eine Vielzahl von Toten und Verletzten und wie ich später hörte, waren im Hauptbahnhof und in dessen Kellern entsetzlich viele Menschen umgekommen, die damals insbesondere durch die Flüchtlingsbewegungen auf Abfahrtmöglichkeiten in Richtung Süden im Dresdner Hauptbahnhof warteten.

Ich stellte fest, daß von hier aus in absehbarer Zeit kein Zug mehr abfahren kann und ging den gleichen Weg den ich gekommen war, zurück. Ich schwang mich auf das Fahrrad und fuhr aus Dresden heraus, bergwärts zu den nördlichen Höhen. Auf dem Weg dorthin erfolgte ein erneuter Angriff, dies war der Tagesangriff der Amerikaner."





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