Ach, Kinder!

Von: Redaktion
Am: 27.01.2002  23:12:57

Was kann und was muss Schule leisten – und was nicht? Der neue Dresdner Sozialbürgermeister Tobias Kogge meint: „Die Schüler sind nicht das Problem. Ändern muss sich unser Bildungssystem - die Politik, die Schulen, die Lehrer und ihre Ausbildung. PISA hat deutlich gemacht, dass Bildungserfolg nicht zu Billig-Preisen zu haben ist. In den meisten erfolgreichen Ländern werden pro Schüler von der ersten Klasse bis zum 15. Lebensjahr wesentlich höhere Beträge in Bildung investiert als bei uns.“ Von der Alternative, den staatlichen Bildungsauftrag teilweise in die Hand freier Träger abzugeben, hält man in Sachsen dagegen nur wenig. Erst im vergangenen Jahr hat man freien Schulgründungen neue, schlichtweg unüberwindliche Hürden hingestellt. Vier Jahre müsste sich eine Schule selbst tragen, ehe ein Recht auf Förderung entstünde – so etwas ist kaum finanzierbar. Dabei kommt die Förderung einer freien Schule den Staat wesentlich kostengünstiger zu stehen als die Betreibung eigener Einrichtungen. Aber die Eltern verlieren offenbar immer mehr das Vertrauen in die staatlichen Lehranstalten und würden ihre Kinder lieber auf freie Schulen schicken. Die Waldorf-Schule in der Neustadt hatte in diesem Jahr mit 109 Kindern so viel Neuanmeldungen wie nie zuvor, und fest steht schon, dass etwa 40 von ihnen das Nachsehen haben werden. Trotz Erweiterung können maximal 70 Kinder aufgenommen werden. Ähnlich sieht es auch bei der Freien Alternativschule auf der Tannenstraße aus: „Wir verzeichnen seit Jahren einen steigenden Bedarf“, so Irini Jamous. Die Schule will noch im Frühjahr in die Räume des ehemaligen St.-Benno-Kindergartens auf der Lößnitzstraße umziehen, um mehr Kinder aufnehmen zu können.

Wo hapert’s also? Sind die (staatlichen) Schulen so schlecht wie ihr Ruf? Immerhin gibt es ja auch hier engagierte Lehrer und Ansätze für neue Konzepte. Fremdsprachenunterricht ab Klasse 1 in der Grundschule am Rosengarten, Nachmittagsbetreuung ohne Gameboy und Glotze – so etwas kommt auch bei Kindern an. Oder delegieren Eltern zu viel Verantwortung, die sie eigentlich selbst übernehmen müssten? Schließlich kann keine Schule besser sein als ihr gesellschaftliches Umfeld.





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