Königsbrücker "Neue" Planung

Von: fboltz@t-online.de
Am: 05.11.2001  08:10:23

Ausbau Königsbrücker Straße Die Mogelpackung»Zweispurigkeit« Die Planungen zum Ausbau der Königsbrücker Straße als vierspurige Ausfallstraße haben im Jahr 2000 zu zahlreichen Bürgerprotesten geführt, rund 1.600 Einwendungen gingen im sogenannten »Planfeststellungsverfahren« bei der Stadt ein. Im März 2001 bezeichnete das Regierungspräsidium Dresden die vierspurige Planung als »nicht genehmigungsfähig«. Nun liegen neue Pläne vor, eine zweispurige Variante für den Ausbau der Königsbrücker Straße. Für viele Anwohner ist dies Grund zur Erleich-terung, scheint doch die Stadtverwaltung davon abgerückt zu sein, eine überbreite Stadtautobahn für den Durchgangsverkehr zu bauen. Nun soll nicht weiter debattiert, sondern endlich gebaut werden. Doch leider entpuppt sich die »neue« Variante als Mogelpackung, die Pläne sind fast gleich geblie-ben. Genaugenommen gibt es lediglich eine Ver-änderung: Aus zwei Fahrspuren je Richtung zu jeweils 3 Metern Breite - insgesamt also 6,00 Meter - wird eine mit 4,5 Metern überbreite Fahrspur und ein abmarkierter Radweg von 1,50 Metern Breite - insgesamt wieder 6,00 Meter. Heute ist die Fahrbahn neben dem Gleis gerade einmal 2,20 Meter breit. Zudem soll der Radweg in den kritischen Bereichen vor den Kreuzungen zugunsten zusätzlicher Abbiegespuren für Kraft-fahrzeuge einfach unterbrochen werden. Alle Eckdaten sind gänzlich unverändert. Es bleibt bei der Verbreiterung der Straße von heute knapp elf Metern auf mindestens 18,5 Meter. An den Kreuzungen und Einmündungen wird die Straße mit zusätzlichen Fahrspuren und Halteinseln für die Straßenbahn nochmals deutlich aufgeweitet. Die Fällung ganzer Baumreihen zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee ist weiterhin geplant, die Vorgärten sollen immer noch fast vollständig verschwinden. Bemerkenswert ist lediglich das Eingeständnis, dass für das künftige Verkehrsaufkommen kein vierspuriger Ausbau notwendig ist, dass eine Fahrspur je Richtung für den Autoverkehr aus-reichend ist. Es ist widersinnig, das Gesicht der Königsbrücker Straße, den historisch gewachsenen Straßenraum, durch eine unverändert überbreite - nur eben jetzt nur noch »zweispurige« - Straße zu zerstören und dafür Millionen auszugeben. Knackpunkte der aktuellen Planung sind: Überbreite Fahrspuren Die Planung sieht je Richtung eine überbreite Autofahrspur von 4,50 Metern neben den Stra-ßenbahngleisen und 1,50 Meter Radweg vor. Ausreichend und ebenso leistungsfähig ist auch eine Autofahrspur von 3 Metern Breite. Wird das Straßenbahngleis überfahrbar gestaltet, so kann auch an liegengebliebenen Fahrzeugen, Liefer-fahrzeugen und dem Müllauto vorbeigefahren werden. Genauer zu prüfen wäre noch, wie durch-gängige Radwege in den einzelnen Straßen-abschnitten sinnvoll eingeordnet werden können. Aufweitungen an den Kreuzungen In der»zweispurigen«Planung entsprechen alle Kreuzungsbereiche exakt der vierspurigen Vari-ante. Neben zwei jeweils 3 Meter breiten Gerade-ausspuren je Richtung sollen noch ebenso breite Linksabbiegespuren gebaut werden. Dazu noch eine Haltestelleninsel für die Straßenbahn, so wird vor der Schauburg aus der heute insgesamt knapp elf Meter breiten Straße eine rund 25 Meter breite Straßenaufweitung, die den Stadtraum an dieser Stelle völlig zerstört und von Fußgängern kaum noch in einer Ampelgrünphase überquert werden kann. Vom heutigen Vorplatz vor dem Kino verbleibt lediglich ein etwas breiterer Gehweg. Ausreichend ist eine Fahrspur mit 3 Metern Breite für die Geradeausfahrer, die Linksabbiegerspur kann auf dem Straßenbahngleis eingeordnet wer-den. Durch eine entsprechende Ampelschaltung lässt sich die freie Fahrt der Straßenbahn gewähr-leisten. Mit nur einer Fahrspur neben dem Stra-ßenbahngleis kann auch auf eine gesonderte Halte-stelleninsel verzichtet werden, so dass an dieser Stelle insgesamt die Straße nur von elf auf rund dreizehn Meter verbreitert werden müsste. Schmale Gehwege Durch die überbreite Fahrbahn und die Park-buchten sollen die derzeit mehr als sieben Meter breiten Gehwege auf rund dreieinhalb Meter geschrumpft werden. Gleichzeitig werden fast alle Vorgärten beträchtlich verkleinert oder ganz beseitigt. Vor den Geschäften sind dann kaum noch Auslagen möglich, ein Einkaufsbummel dicht neben der Fahrbahn wird nur noch geringen Erlebniswert haben, Caféfreiplätze sind nicht mehr möglich. Reihenweise Baumfällungen Die Fällung ganzer Baumreihen zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee ist vorgesehen. Überflüssigerweise: Auf dem ehemaligen Reitweg lässt sich stadtauswärts problemlos eine Rich-tungsfahrbahn und ein Radweg bauen. Stadteinwärts könnten sich dann Rad-, Kraftfahr-zeugverkehr und Straßenbahn die volle Breite der heutigen Fahrbahn teilen. Platz für alle, ohne dass desshalb auch nur ein einziger Baum gefällt wer-den müsste. Haltestelleninseln problematisch Bleibt die Königsbrücker Straße zweispurig, d. h. mit nur einer Fahrbahn je Richtung, so sind die geplanten Haltestelleninseln für die Straßenbahn nicht notwendig. Haltestellen können so wie heute gestaltet bleiben: Die Fahrgäste warten auf dem Gehweg. Damit ließe sich eine zusätzliche Auf-weitung des Straßenraumes vermeiden. Trennwirkung der Straße Wird die Königsbrücker Straße von derzeit elf auf achtzehn bis fünfundzwanzig Meter verbreitert, so wirkt die Straße wie eine Barriere, die Nordseite wird praktisch von der Äußeren Neustadt abge-hängt, mit allen nachteiligen Folgen für die Ge-schäfte auf dieser Straßenseite. Für behutsamen Ausbau Für eine deutliche Verbesserung der heute zweifellos kritischen Situation ist eine geringfügige Verbreiterung der Fahrbahn neben dem Straßenbahngleis von derzeit ca. 2,20 Meter auf 3,00 Meter ausreichend, dazu entlang der gesamten Straßenlänge durchgängige Radwege oder Radstreifen und eine Neuordnung der Stellplätze. Damit könnte einerseits der Charakter der Königsbrücker Straße als Wohn- und Geschäftsstraße erhalten bzw. sogar aufgewertet werden, andererseits würde auch der Verkehrsfluss deutlich verbessert. Entsprechende Vorschläge hat die Bürgerinitiative Königsbrücker Straße bereits im vergangenen Jahr unterbreitet. Diese Vorschläge sind gleichfalls förderfähig und schnell umzusetzen. Die geplante überbreite »zweispurige Variante« ist hingegen stadträumlich ebenso verheerend wie die bisherige »vierspurige Planung«. Die Einmischung der Anwohner, Gewerbetreibenden und Hauseigentümer in die laufenden Planungen ist wieder dringend notwendig. November 2001 V. i. S. P. Friedrich Boltz Louisenstraße 47 01099 Dresden (Mitglied des Ortsbeirates Neustadt) Kontakt: fboltz@t-online.de




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