RE: Wer braucht diesen Ausbau?

Von: holger.mueller.sn@t-online.de
Am: 18.07.2001  12:09:17

Die Verwendung der Städtebauförderungsmittel (je ein Drittel Bund, Freistaat und Stadt) dient der Beseitigung städtebaulicher Mängel. Die Häuser im Hechtviertel sind mit Millionenaufwand in den letzten Jahren von privaten Investoren saniert worden, wobei stadtseitig (egal ob auf Ortsamts- oder Rathausebene) immer auf das Erneuerungskonzept von 1993 verwiesen wurde. Danach sollen hier im Viertel alle Straßen verkehrsberuhigt und beidseitig durch Bäume begrünt werden! Warum die Verabschiedung durch den Stadtrat damals verschlampt wurde, weiß angeblich niemand. Verkehrsberuhigung heisst nach Koettnitzscher Lesart im 21. Jahrhundert allein, die Abrollgeräusche der Kfz durch Asphaltierung zu reduzieren. Das eine schwarze Asphaltdecke aber erhebliche negative mikroklimatische Auswirkungen hat (v. a. Lufterwärmung), bleibt unberücksichtigt. Die 1993 vorgesehene Begrünung hatte als Ziel, das stark überwärmte, zu staubige und zu trockene Hechtviertel (siehe Dresdner Umweltatlas und andere offizielle Veröffentlichungen der Stadt) für die Bewohner/-innen gesünder zu machen. Von diesem Ziel, welches eine Beseitigung eines erheblichen städtebaulichen Mangels darstellt, hat sich die Stadt mit der jetzigen Form des Ausbaus der R-L-S verabschiedet. "Steinerne Wüsten" postuliert Dr. von Loh (Denkmalschutzamt) für die gründerzeitlichen Viertel Dresdens. Genau das wird das Hechtviertel werden: Eine unbelebte, weil nicht lebenswerte Einöde, durch die ein paar versprengte Tourist/-innen zwecks Fotodokumentation einst bewohnter Häuser mit hübschen alten Fassaden laufen (sofern es nicht zu heiss ist). Vielleicht nicht ganz unbelebt, da die Mieten sicher sinken werden, weil die Nachfrage nachlässt und somit immer ein paar Mieter/-innen zu finden sind. Aber allemal zu unattraktiv für Familien mit Kindern, die lt. Dr. Künzel hier wohnen sollen, und dem unteren Hecht Leben geben würden. Sanierungsgebiete sind keine Denkmalschutzgebiete! Vorrang müssen die Bewohner/-innen und deren Interessen haben: Kein Durchgangsverkehr, gesunde Luft, attraktive Lebens- und Straßenräume! Kommt das Grün nicht zu uns in die Stadt, gehen wir raus aus der Stadt ins Grüne. Und mit uns die Steuereinnahmen für die Stadt, die Kaufkraft, das geistige, soziale und kulturelle Potenzial der Stadt. So beseitigt die Stadt Dresden im 3. Millenium städtebauliche Mängel: Durch die Aufgabe der Stadt als Stadt! Holger Mueller BI "WIR im Hecht"




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