Hechtclub

Von: verenahutschenreuter@web.de
Am: 25.11.2002  09:46:19

Ich hatte mich vor 2 Jahren ebenfalls um den Club bemüht...! nachstehend eine Stellungnahme meines (damailigen) Vereins an OB Herrn Wagner und eine Dienstaufsichtsbewerde gegenüber dem Kulturamt (Fr. Heinze) aktuell:

Stellungsnahme 1 vom 2000-10-10

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit diesem Schreiben möchten wir unser Unverständnis über den Vorgang und die Entscheidung des Stadtrates zur Übergabe des Klubs „Unterer Hecht“, Hechtstraße 32, zum Ausdruck bringen. Das Haus auf der Hechtstraße 32 wurde im Zuge der Sanierung von der Stadt ge-kauft, um zu gewährleisten, dass die soziokulturelle Arbeit für das Viertel gesichert wird.
Als wir im Februar 2000 erfahren haben, welcher Verein sich für den Klub „Unterer Hecht“ beworben hat und als einziger in die engere Auswahl kam, haben wir uns da-für entschieden, diesem entgegen zu wirken.
Wir haben einen Verein, "Unterer Hecht" e.V. gegründet, um uns dafür einzusetzen, dass im Hechtviertel die soziokulturelle Arbeit nicht wie befürchtet, geopfert wird und der Klub "Unterer Hecht" in freie Trägerschaft nicht dem Verein "Erforschung der Dresdner Frauengeschichte" zugesprochen wird. Da die überwiegende Mehrheit der Mitglieder des Vereins „Unterer Hecht“ e.V. Bewohner des Hechtviertels sind – kei-ner gehört einer Partei an – und diesen das Gebiet sehr am Herzen liegt, wollten wir es nicht „dem Zufall“ überlassen, dass diese Einrichtung nicht mehr soziokulturell betrieben werden sollte und es somit keine Stadtteilarbeit mehr geben wird. Wir möchten unbedingt hiermit klar zum Ausdruck bringen, dass wir, ähnlich wie der Ortsbeirat Neustadt, nichts gegen die Arbeit des Frauenstadtarchivs haben, diese ist sicherlich für die Stadt Dresden sehr wichtig. Es geht nur um die Arbeit im und für das Hechtviertel. Es kann nicht sein, dass ein thematisierter Verein nun auch noch Soziokultur anbieten soll, aber dies nicht seiner Konzeption und Satzung entspricht.
Außerdem ist soziokulturelle Arbeit nicht mit einer ½ Stelle zu bewältigen, wie stellt sich dies das Kulturamt und der Stadtrat vor? Und der Punkt der Stadtteilarbeit sowie das kulturelle Angebot, was vorher angeboten wurde, dass ist schmerzlich für alle Bevölkerungsschichten und unerfreulich sowie sehr bedauerlich für das Hechtviertel.
Wir haben uns bemüht, mit dem Kulturamt Kontakt aufzunehmen und haben uns dort schriftlich beworben. Auch wenn der Bewerbungstermin schon verstrichen war, ist es zu keiner Anhörung gekommen. Da fragen wir uns, warum der Klub „Unterer Hecht“ dann als soziokulturelle Einrichtung geführt werden soll, wenn sowie so schon fest steht, dass dies nicht so sein wird? Denn aus dem uns vorliegendem Leistungskata-log des Frauenstadtarchivs geht eindeutig hervor, dass sie keine soziokulturelle Ein-richtung führen werden. Wie kann es sein, dass ein Verein, der sich auf eine Aufgabe festgelegt hat, bei einer solchen Ausschreibung in die „zweite Runde“ kommt?
Wir hatten auch einen Termin mit Herrn Dr. Künzel vom Ortsamt Neustadt, der unser Projekt sehr unterstützt. Er hat mit Herrn Dr. Barlmeyer, Kulturamtsleiter, für uns und mit ihm einen Termin vereinbart, dieser ist aber aus gesundheitlichen Gründen sei-tens von Herrn Dr. Barlmeyer geplatzt, ohne das ein neuer Termin vorgeschlagen wurde.
Der Ortsbeirat Neustadt hat sich auf der Sitzung vom 2000-09-06 dafür ausgespro-chen, dass der Antrag vom Kulturamt der Übergabe in freie Trägerschaft des Klubs „Unterer Hecht“ durch den Verein „Erforschung der Dresdner Frauengeschichte“ e.V. abgelehnt wird und den Klub neu auszuschreiben sei. Für uns ist es nicht nachvoll-ziehbar, dass die CDU im Ortsbeirat sachlich kritisch das Problemfeld hinterfragt hat, dann aber doch aus parteipolitischen Gründen dafür stimmte. Was ist das für eine Politik?
Mit großem Bedauern haben wir nun feststellen müssen, dass auf der letzten Stadt-ratsitzung der Klub in die freie Trägerschaft an den Verein „Erforschung der Dresdner Frauengeschichte“ e.V. übergeben wird. Mit dieser Entscheidung wird deutlich, dass es mit der politischen Kultur in Sachsen Hauptstadt nicht weit her ist. Die Entschei-dung ist fachlich und sachlich nicht verständlich, da es nun keine Soziokultur in die-sem Viertel geben wird.
Warum kann es sein, dass die Vorlage vorher in anderen Ausschüssen (Finanzaus-schuss und Kulturausschuss) war, ohne das vorher der Ortsbeirat gehört wurde und dies behandelt wurde?
Weshalb kann der Stadtrat die Entscheidungen des Ortsbeirates übergehen? Warum darf und mit welcher politisch abgesegneten Arroganz kann das Kulturamt andere Institutionen vor vollendete Tatsachen stellen? Wie kann es sein, dass der Verein fast keine Soziokultur anbieten wird, wie es auch aus dem Leistungskatalog und dem aktuellen Veranstaltungsplan hervorgeht und das keine Satzungsänderung in Frage kommt, laut Aussage der Vorsitzenden im Ortsbeirat am 2000-09-06?
Warum sind die hohen Personalkosten im Vergleich zu den Sachkosten genehmigt wurden und das, wo die Stadt doch kein Geld hat?
Der hintere Teil des Gebäudes ist rekonstruiert worden, mit einem großen Saal. Nach Aussage des Stadterneuerungsamtes war dieser für Großveranstaltungen vor-gesehen. Der Verein „Erforschung der Dresdner Frauengeschichte“ e.V. wird dort nun, nach eigener Aussage, 5 Regale hineinstellen und Lesungen anbieten. Kann sich die Stadt das leisten, Räume zu rekonstruieren und dann werden diese uneffek-tiv genutzt? Stehen da Kosten und Nutzen im Verhältnis?
Was wird aus den Kindern und Jugendlichen, die hier wohnen?
Das sind einige Sachverhalte, die uns völlig unklar und auch unlogisch erscheinen, aber es ist wohl Politik und Sie stehen ja auch nicht vor den Wahlen, da ist es ja e-gal, was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dresden wünschen, sondern da wird halt parteiintern geregelt und verteilt! Es scheint den Stadtrat aber nicht zu interessieren, genauso wenig wie inhaltliche Aspekte. Stimmenmehrheit berechtigt nicht zu Inkompetenz.
Es ist beunruhigend mit anzusehen, wie eine solche Entscheidung getroffen wird. Wie soll es denn mit der Kultur in Dresden weitergehen? In diesem Sinne verbleiben wir mit freundlichen Grüßen


Stellungnahme 2 vom 2002-11-20

Erklärung zum Thema „Klub Unterer Hecht“, Hechtstrasse 32, 01097 Dresden
Stadtratsbeschluss vom 21. September 2000

am 10. Oktober 2000 haben Sie bereits schon einmal eine Stellungsnahme zu o.g. Thema von mir bzw. dem Verein „Unterer Hecht“ e.V. erhalten, diesen lege ich diesem Schreiben als Kopie nochmals bei.
Der Verein zur Erforschung zur Dresdner Frauengeschichte e.V. muss die Arbeit in o.g. Räumen zum 31. Dezember 2002 einstellen.
Diese neue Entscheidung musste ich mit Bedauern feststellen, da ich bereits vor und nach dem Stadtratsbeschluss am 21. September 00 meine Bedenken zu diesem Beschulß schriftlich und mündlich mitgeteilt habe.
Ende 1998 sind die Räume des Klubs „Unterer Hecht“ von der STESAD GmbH saniert worden. Die Landeshauptstadt Dresden hat sich zu einer Fortsetzung des Mietverhältnisses und einer Betreibung einer Kultureinrichtung mit Stadteilbezug verpflichtet. Dieser Punkt, insbesondere „eine Kultureinrichtung mit Stadtteilbezug“, ist nach der Übernahme des Vereins zur Erforschung der Dresdner Frauengeschichte e.V. nicht gewährleistet worden. Frau Heinze vom Kulturamt hat mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass diese Aufgabe vom Verein zu bewältigen sei und die Übertragung dieser Arbeit für das Wohngebiet „Hecht“ nachhaltig zu verantworten sei.
Nun, nachdem die Beendigung des Vertrages zwischen der Landeshauptstadt und dem Verein besiegelt ist, stellen sich mehrere Fragen:

1. Wurde der Verein zur Erforschung der Dresdner Frauengeschichte e.V. hinreichend fachlich vom Kulturamt begleitet?
Dies trifft doch wohl in keinem Fall zu, sonst hätte das Kulturamt den Verein dahingehend beraten, dass es keine Stadtteilarbeit ist, wenn man nur Töpfern, Lesungen, Buchvorstellungen, vorwiegend nur für Frauen, und wenige Thementreffs anbietet. Seit August 2002 ist auch kein neues Programm mehr im Internet zu finden.

2. Frau Heinze teilte mir am 23.11.2000 schriftlich mit, dass ein Vertragstext ausgehandelt wurde und das die Aufgaben für den soziokulturellen Bereich umfangreicher wären, als es im bisherigen Umfang des damaligen Klubs „Unterer Hecht“ der Fall gewesen wäre. Gibt es so einen Text? Wäre dies so gewesen, würde der Verein zum Ende des Jahres die Räume in der Hechtstraße nicht aufgeben müssen.
Frau Heinze und der Stadtrat haben billigend in Kauf genommen, dass sich kein neuer Verein gründet und „zu bezahlen ist“ und in naher Zukunft auch der Verein zur Erforschung der Dresdner Frauengeschichte e.V. nicht mehr im vollem Umfang seine ursprüngliche Arbeit fortsetzen kann. Trotz Beteuerungen von Frau Heinze im Ortsbeirat am 06.11.2002, ist es kaum möglich, das Angebot des Vereines wie einst auf der Dürerstraße (zentrumsnah), öffentlichkeitswirksam im Stadtarchiv (fast außerhalb von Dresden), fortzuführen.

3. Die Landeshauptstadt Dresden ist 25 Jahre an diese Räume gebunden; wie soll es nun stadtteilbezogen weitergehen?

4. Darf Frau Heinze wieder einen Verein „unter Zwang“ hinsetzen und dann auch wieder ruinieren? Oder werden jetzt einfach die Fördermittel zurückgezahlt und dann werden die Räume leer stehen?
Ich wurde mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass der Verein „Klub Unterer Hecht e.V.“, dessen Geschäftsführerin ich war, mit dem Verein Erforschung der Dresdner Frauengeschichte e.V. zusammenarbeiten soll. Dies war jedoch offensichtlich entweder nicht gewollt, oder konnte nicht geschafft werden. Nach 2 Anfragen per Email, die nie beantworte wurden, habe ich es aufgeben.
Des weiteren ist mir bekannt, dass man Räume im Klub „Unterer Hecht“ für private Feiern anmieten wollte und dies abgelehnt wurde, ohne jeglicher Begründung. Dies darf bei einem Verein, der für das Viertel ja da sein sollte, nicht passieren.

5. Das Kulturamt hat im Jahr 2000 mit einer Arroganz alle anderen Institutionen vor vollendete Tatsachen gestellt. Wird das Kulturamt eigentlich für seine Fehler zur Verantwortung gezogen? Rund 106.655,00 Euro wurden zweckentfremdet eingesetzt. Für ein Projekt, dass von vornherein zum Scheitern verurteilt war!
Das Kulturamt und der Stadtrat haben damals alle Warnungen von meiner Seite aus und dem Ortsbeirat Neustadt ignoriert und so wurden Steuermittel, Fördermittel, Arbeitsamtzuschüsse vergeudet! Mit heutigem Datum habe ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde an den Oberbürgermeister, Herrn Ingolf Roßberg gegenüber dem Kulturamt, Frau Heinze verschickt.

Viele Grüße von nun aus Berlin...

Verena Hutschenreuter





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