Was soll das?

Von: Skullmedia.gmx
Am: 16.11.2004  17:04:15

Hallo Nils, habe deinen Artikel in der Neustadtzeitung Nr. 9 gelesen und möchte ein paar Worte dazu sagen. Du hast richtig beobachtet, dass es in letzter Zeit des Öfteren vor der Scheune gekracht hat und regst Dich darüber auf. Deine Kritik richtet sich jedoch völlig einseitig gegen die Jugendlichen und hinterfragt nicht die Ursachen bzw. die Gründe. Da vermutest Du " eine Art Sport sich gegen gesellschaftliche Normen und der Polizei zu stellen". Erstens unterliegen auch gesellschaftliche Normen, Wertvorstellungen und daher die (gutbürgerliche) Moral/vorstellungen dem Wandel der Zeit. Ändern sich daher. Zweitens treffen in der Neustadt die unterschiedlichsten Weltvorstellungen aufeinander. Aus einem alternativen Viertel hat man mit Gewalt ein kommerzielles Kneipenszeneviertel gemacht und alle nicht der Verwertungsgesellschaft angepaßten Menschen durch polizeilicher Räumung der besetzten Häuser oder durch Hochsetzung der Mietpreise und Bierpreisen ect... gezwungen das Viertel zu räumen damit der Rubel rollen kann. Das sich die Jugendlichen vor der Scheune sich treffen, liegt nur daran, dass es keine alternativen Möglichkeiten mehr gibt, sich woanders zu treffen. Selbst die ehem. Streetworker haben gekündigt als Sie herausfanden, dass es überhaupt nicht geplant war die ehem. Bewohner des Viertel zu integrieren, sondern nur darum ging die " linken Chaoten" weg zu drängen, mit allen Mitteln! Ich verstehe nicht was Du meinst mit der Aussage, dass die Scheune keine Turnhalle mehr ist? Meines Wissens war doch früher die Scheune ein Jugendtreffpunkt und hat bis vor kurzem ( oder heute noch?) mehrere hunderttausend Euro pro Jahr Fördermittel für Jugendpflege und Fürsorge erhalten! Völlig zu Unrecht natürlich. Jetzt ist die Scheune ein völlig kommerzieller Laden und das Problem der Jugendlichen keine selbstverwalteten Freiräume mehr zu haben, aktueller den je. Meiner Meinung nach hat die Stadtverwaltung auf das falsche Pferd gesetzt und ist überhaupt in dieser Beziehung völlig inkometent. Mehr Repressalien und Druck erzeugt nun mal Gegenwehr und Gegendruck. Es ist noch nicht vergessen wie die Scheune früher die Punker vor der Scheune von der Polizei weg prügeln und verhaften lies. Das sich jetzt wieder die unzufriedenen Jugendlichen vor der Scheune sammeln und es ab und zu knallt, war doch völlig voraus zu sehen. Du forderst daher die zuschauenden Anlieger (Einlasser gebrauchst Du!) aktiv zu werden. Eine mündliche verbale Verneinung wird die Ursachen nicht abändern. Aktives körperliches Eingreifen würde ich niemanden empfehlen, der nicht im Krankenhaus landen möchte. Was bleibt also? Der Ruf nach härterem Durchgreifen der Polizei? Oder bezahlte Bürgerschlägertrupps der kommerziellen Kneipen? Oder sieht man langsam das Unrecht der früheren Tage ein und gewährt endlich ein paar selbst verwaltete Freiräume den Menschen? Warum kommen den Leute wie Du in die Neustadt? Weil dort was los ist? Buntes Treiben und Trallala, mal was anderes? Jeder der hier her gezogen ist, sollte doch wissen, in was für ein Viertel Er her gezogen ist und warum. Oder habt ihr das schon vergessen? Wir haben Euch nicht gebeten hier her zu kommen und alles aufzukaufen, wir wären gerne hier und unter uns geblieben. Aber alles unterliegt z.Z. einer kapitalistischen Verwertungslogik und daher dem Verkauf. Aber ist das nicht ätzend seine Freizeit auch noch bezahlen zu müssen? Wovon andere noch fett leben? Die Schattenseite trifft aber nun mal die ( finanzschwachen) unerwünschten Randgruppen. Bloß die werden sich nicht einfach in Rauch auflösen. Wer kein Geld hat., hat gefälligst zu Hause vorm Fernsehr zu bleiben? Beim Musikandenstadl vielleicht? Das glaubt Ihr doch nicht wirklich umsetzen zu können, oder? Nicht Betteln und Bitten, sondern einfordern, was uns nun mal zu steht. Nicht nach dem kapitalistischen Marktgesetzen, sondern von den uns angebohrenen Menschen und Naturrechten wie die sogen. Aufklärung uns gelehrt hat. Es wird nun mal so lange keine Ruhe geben, bis die Menschen aus der Neustadt befriedet sind, nicht mit Gewalt und Vertreibung, sondern durch Gewährung des benötigten Freiraumes, eine Konkurrenz der gewerbetreibenden werden wir auf Grund unserer ablehnenden Haltung zur Marktwirtschaft und seiner Mentalität seiner gegenseitigen Kongurrenz nie werden (wollen!). So viel erst mal zur Thematik. Gruß Hartmann


 


Zugehörige Beiträge:

Was soll das?
    mal langsam   (07.07.05)